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2026 nacherlebet die Schlachte von Long Island und Flatbush
Ein heißer Sommertag, der 27. August 1776.
Genau 55 Tage vorher, am 4. Juli 1776, hatten sich die 13 britischen Kolonien in Nordamerika vom britischen König losgesagt und ihre Unabhängigkeit erklärt. Das wiederum wollte sich König George III. nicht gefallen lassen.
Weil er allerdings nicht genügend eigene Truppen in seinen Kolonien stehen hatte, warb er in anderen europäischen Königreichen, Fürstentümern und Landgrafschaften um Truppen, die er ausleihen konnte.
Die Briten waren schließlich erfolgreich. Sie schlossen Leihverträge, die so genannten Subsidienverträge mit Hessen-Kassel, Hessen-Hanau, Waldeck und Pyrmont, Braunschweig-Wolfenbüttel, Ansbach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst ab und orderten im Verlauf des Krieges beständig weitere Truppen nach. Summa summarum waren es bis 1783, als der Krieg endete, rund 30.000 deutsche Soldaten, davon allein 19.000 unter den Fahnen aus Hessen-Kassel.
Am 17. August 1776 trafen die ersten hessischen Hilfstruppen in Nordamerika ein. Sie waren zusammen mit britischen Truppen über drei Monate lang mit einer Flotte von über 150 Transport- und Kriegsschiffen über den Atlantik gesegelt und landeten schließlich bei Sandy Hook im heutigen New Jersey. Bereits zehn Tage später sollten sie ihre erste Schlacht schlagen. Bei der Schlacht von Long Island standen rund 10.000 amerikanische Soldaten etwa 20.000 britischen und hessischen Soldaten gegenüber.
Die Ausgangslage
Die Amerikaner hielten damals die Stadt New York besetzt und waren gewarnt, dass eine riesige Streitmacht aus England herbeisegelte. Um die Stadt jenseits des East Rivers zu schützen, hielten sie auch den westlichen Teil der Insel Long Island mit dem Dorf Brooklyn besetzt. Zum Osten hin erhob sich eine Hügelkette, die sie gegen Angriffe befestigt hatten. Durch diese Hügel führten drei Straßen. Die mittlere führte Zu dem Dorf Flatbush.
Der Aufmarsch
Hessischen Jäger und Grenadiere waren die ersten Truppen, die zusammen mit britischer Infanterie auf Long Island landeten. Oberkommandierender war der britische Lord Cornwallis, die deutschen Truppen führte General von Heister. Dieser marschierte zentral auf den so genannten Flatbush-Pass zu, und traf dort auf die ersten amerikanischen Soldaten.
Die rund dreihundert Riflemen zogen sich bald zurück. Donop ließ ihnen einige Kugeln hinterherschicken. Aber es kam zu weiteren gegenseitigen Vorstößen. Die Amerikaner zogen sich schließlich in ihre Verschanzungen auf den Hügeln zurück.
Während von Donop die ganze Aufmerksamkeit der Rebellen auf sich zog, hatte sich der britische General Clinton am Abend vor dem Hauptgefecht mit seiner Streitmacht bereits zu einem Umgehungsmarsch aufgemacht und fand eine wichtige Straße in der Flanke der Amerikaner völlig unbesetzt.
Auf der Straße nach dem Flatbush-Pass in der Mitte der Hügelkette begannen Artillerie, Jäger und Grenadiere mit dem Angriff, um die Aufmerksamkeit der Amerikaner zu binden und sie von der Gefahr abzulenken, die deren Rücken lauerte.
Die hessischen Jäger unter Hauptmann von Wreden und das hessische Regiment Rall fochten im Zentrum. Die Brigade von Mirbach stand auf der linken Flanke.
Der britische General Clinton war unterdessen in Bedford quasi links im Rücken der amerikanischen Truppen angekommen und befahl sodann den Angriff auf die amerikanischen Verschanzungen.
Die Umzingelung der amerikanischen Truppen war gelungen. Die Gegenwehr war hitzig, denn man hatte den Amerikanern erzählt, dass die Hessen wahre Teufel seien und sie keine Gefangenen machen würden.
Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg war die erste nachhaltig erfolgreiche bürgerliche Revolution der Weltgeschichte. So bestanden auch die Truppen, die diese Revolution beförderten nicht aus geübten Soldaten, sondern aus Bürgern, Bauern, Handwerkern, Schneidern, Metzgern und Schmieden. Die Hessen waren entsetzt. Oberst von Heeringen schrieb: „Diese fürchterlichen Leute verdienen eher Mitleid als Furcht. Sie müssen immer eine Viertelstunde Zeit haben, um ein Gewehr zu laden. Und in dieser Zeit fühlen sie unsere Kugeln und Bajonette.“
Die kaum gefechtserfahrenen amerikanischen Milizen waren den britischen und hessischen Truppen nicht gewachsen, die aus gut ausgebildeten und zum Teil erfahrenen Soldaten bestanden.
Dennoch wehrten sie sich mit großem Eifer, denn ihnen war erzählt worden, dass die Hessen selbst Gefangene umbringen würden. Das stimmte zwar nicht, aber tatsächlich hatte die Gnadenlosigkeit der hessischen Angriffe ihre Gründe.
Der Militärhistoriker Eelking berichtet von ungewohntem Vorgehen der Amerikaner. Manche Truppenteile, die sich bereits ergeben hatten, begannen dann doch wieder zu feuern, woraufhin die erschreckten Hessen den Feinden kein Pardon mehr gaben. Diejenigen Amerikaner, die weglaufen konnten, berichteten davon und steigerten dadurch den grausamen Ruf der hessischen Truppen.
Die Gefechte dauerten eine gute Zeit fort, bis schließlich viele Amerikaner sich ungeordnet in Richtung New York Bay zurückzogen. Viele Soldaten, die weggelaufen waren, gerieten in die Sümpfe und kamen dort um.
Den Rückzug der Amerikaner sicherte bis zuletzt das 1st Maryland Regiment, das – wie übrigens viele amerikanischen Milizen – zu einem guten Teil aus deutschen Einwanderern bestand. Mithin schossen in dieser Schlacht Deutsche auf Deutsche.
Der amerikanische Oberkommandierende George Washington hatte so viele Boote wie möglich an den East River beordert, der Long Island von Manhattan trennte. Eine große Zahl amerikanischer Truppen konnten dadurch gerettet werden.
Sammeln und Rückzug
Wie viele Soldaten in der Schlacht von Long Island und vor Flatbush ihre Gesundheit oder ihr Leben verloren, ist umstritten. Die Angaben über die Verluste gehen weit auseinander: Washington meldete dem Kongress 700 bis 1000 Gefallene, Verwundete und Gefangengenommene Amerikaner. Der britische Oberbefehlshaber William Howe meldete nach London, die Amerikaner hätten insgesamt über 3000 Kämpfer verloren, davon waren angeblich über 1000 gefangen genommen worden. Unter den Gefangenen waren allein drei Generale und zahlreiche weitere Offiziere.
Die Verluste der hessischen Hilfstruppen waren angeblich vergleichsweise gering. Eelking nennt zwei Tote und 26 Verwundete.
Die Schlacht von Long Island galt bis zum amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) über 85 Jahre lang als die größte Schlacht, die auf amerikanischem Boden stattgefunden hat.
Der Mythos von der Unbesiegbarkeit der gefürchteten Hessen hielt allerdings nur knapp vier Monate. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1776 überfiel die Armee George Washingtons nach einer waghalsigen Überquerung des eisführenden Delaware-Flusses die hessischen Truppen in Trenton und besiegte diese im Handstreich.
Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg endete 1783 mit dem Frieden zu Paris am Verhandlungstisch. Das britische Parlament mochte keine Mittel mehr für den immens teuren Krieg in Nordamerika zur Verfügung stellen – dazu hatten auch die hohen Zahlungen für die deutschen Hilfstruppen beigetragen. Damit waren die Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt.
Von den rund 19.000 hessischen Kriegsteilnehmern kehrten 10.500 Soldaten zurück. Ungefähr 5000 verloren in Amerika ihr Leben. Von diesen waren 535 in den Gefechten gefallen, die Übrigen an Verwundungen, Krankheiten und Unfällen gestorben. Im Verlauf des Konflikts waren etwa 3000 Männer unerlaubt von den hessischen Fahnen gegangen. Ein Teil der Soldaten blieb auf eigenen Wunsch in Nordamerika und siedelte im weiterhin britischen Kanada.
Die Truppen
Impressionen aus dem Lagerleben